BERGER HOLDING SE
Energiemonitoring mit System – Wie die Berger Gruppe Transparenz über Energieverbräuche schafft und die Basis für nachhaltige Optimierung legt
Interview mit Jonas Stefan und Sophia Meixelsperger
„Man muss erst einmal wissen, wo, wann und wie viel Energie verbraucht wird. Erst dann kann man gezielt etwas verändern.“
– Jonas Stefan –

Die Berger Gruppe ist ein bundesweit tätiges Bau- und Baustoffunternehmen mit rund 3.000 Mitarbeitenden und einer stark dezentralen Struktur. Das Unternehmen gliedert sich in drei Hauptsäulen: Berger Bau, Berger Beton und Berger Rohstoffe.
Mit rund 70 Transportbetonmischanlagen, mehreren Kieswerken, Steinbrüchen sowie zahlreichen Standorten in Deutschland, Tschechien und Polen deckt die Berger Gruppe große Teile der Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Bauwerk – selbst ab.
Ausgangssituation: Dezentrale Strukturen, begrenzte Transparenz
Die Ausgangslage im Energiemanagement war vor allem durch die Größe und Dezentralität der Berger Gruppe geprägt. Energiedaten wurden an verschiedenen Stellen erfasst – teils in Excel-Listen, teils in externen Portalen, getrennt nach Gesellschaften und Energieträgern.
Eine übersichtliche Darstellung auf Verbräuche, Vergleiche zwischen Standorten oder eine konsistente Datenbasis für Auswertungen waren nur mit hohem manuellem Aufwand möglich. Gleichzeitig wuchsen die Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Dokumentation – insbesondere im Hinblick auf die ISO 50001 und künftige Nachhaltigkeitsanforderungen.
Von Insellösungen zu einem zentralen Energiemonitoring
Bei der Auswahl des Systems legte die Berger Gruppe besonderen Wert auf Übersichtlichkeit, Flexibilität und Praxistauglichkeit. Angesichts der Vielzahl an Standorten und Anlagen war entscheidend, dass sich auch komplexe Strukturen klar abbilden lassen.
Efficio® überzeugte durch die Möglichkeit, individuelle Standort- und Anlagenstrukturen aufzubauen und unterschiedliche Datenquellen – von automatisierten Messstellen bis hin zu manuellen Zählerständen – zusammenzuführen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war der persönliche Support und die enge Zusammenarbeit während der Einführung.
Implementierung: Schrittweise und praxisnah
Die Implementierung erfolgte schrittweise in enger Abstimmung zwischen Technik, IT und Berg GmbH. Nach einer initialen Kick-off-Phase wurde das System zügig produktiv umgesetzt. Ein Großteil der Umsetzung erfolgte in Eigenregie:
- Aufbau der Standort- und Anlagenstruktur
- Integration von Strom-, Wasser- und Gasverbräuchen
- Einbindung externer Messstellen über Schnittstellen
- Manuelle Datenerfassung dort, wo keine automatisierten Zähler vorhanden sind
Besonderes Augenmerk lag auf den Transportbetonmischanlagen, die regional strukturiert wurden, um Vergleiche zwischen Bundesländern und Anlagenclustern zu ermöglichen. Parallel begann der sukzessive Ausbau mit Datenloggern und zusätzlichen Zählern zur detaillierteren Erfassung von Lastgängen.
Energiemonitoring im Alltag: Vergleichbarkeit statt Bauchgefühl
Heute nutzt die Berger Gruppe Efficio® als zentrale Plattform für das Energiemonitoring. Die Energiedaten stehen standortübergreifend zur Verfügung und lassen sich flexibel auswerten.
Im operativen Alltag bewährt haben sich insbesondere:
- individuell konfigurierte Dashboards
- Tages-, Monats- und Jahresauswertungen
- der Vergleich baugleicher Anlagen
- die Analyse von Lastgängen und Stillstandszeiten
Ein entscheidender Mehrwert liegt in der Grundlastanalyse. Durch den Vergleich ähnlicher Anlagen konnten deutliche Unterschiede sichtbar gemacht werden – insbesondere außerhalb der Produktionszeiten.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Zwei vergleichbare Betonmischanlagen wiesen bei ähnlichen Rahmenbedingungen stark unterschiedliche Verbräuche auf. Während eine Anlage außerhalb der Produktionszeiten rund 1.000 kWh verbrauchte, lag eine andere bei etwa 4.000 kWh. Ursache waren unterschiedliche Einstellungen der Beheizung. Nach Anpassung der Parameter reduzierte sich der Verbrauch deutlich.
Mehrwert für Management und Nachhaltigkeit
Neben dem operativen Nutzen liefert Efficio® auch entscheidungsrelevante Informationen für die Unternehmungsleitung. Energieverbräuche einzelner Anlagen, Regionen oder Zeiträume lassen sich heute schnell und belastbar auswerten. Für das Nachhaltigkeitsmanagement bildet das System die notwendige Datengrundlage, um Energiekennzahlen zu entwickeln, Anlagen vergleichbar zu bewerten, Maßnahmen abzuleiten und die Anforderungen aus der CSRD und internen Reportings vorzubereiten.
„Efficio® schafft erstmals eine konsistente Basis, um Nachhaltigkeit systematisch weiterzuentwickeln“, so Sophia Meixelsperger.
Unterstützung bei ISO 50001 und Audits
Auch im Rahmen von Audits und Zertifizierungen bietet das zentrale Energiemonitoring klare Vorteile. Energiedaten sind strukturiert archiviert, nachvollziehbar dokumentiert und jederzeit abrufbar.
Für die ISO 50001 bedeutet das:
- deutlich reduzierter Vorbereitungsaufwand
- einheitliche und prüffähige Auswertungen
- schneller Zugriff auf relevante Kennzahlen
Was früher mit hohem manuellem Aufwand verbunden war, lässt sich heute in kurzer Zeit darstellen.
Ausblick: Systematischer Ausbau
Das Energiemonitoring bei der Berger Gruppe ist bewusst als kontinuierlicher Prozess angelegt. Nach dem erfolgreichen Aufbau bei den Transportbetonmischanlagen stehen weitere energieintensive Bereiche wie Kieswerke und Asphaltmischanlagen im Fokus.

Geplant sind unter anderem:
- weitere Automatisierung der Datenerfassung
- vertiefte Grundlast- und Stillstandsauswertungen
- standardisierte Monatsreports für Werkleiter
- stärkere Sensibilisierung der Standorte durch transparente Kennzahlen
Fazit
Mit Efficio® hat die Berger Gruppe eine zukunftsfähige, praxisnahe Energiemonitoring Plattform etabliert, die Transparenz über eine hochkomplexe Unternehmensstruktur schafft. Was als Ablösung verteilter Excel-Listen begann, ist heute die Grundlage für systematisches Energiemanagement, fundierte Entscheidungen und zukünftige Optimierungen.
Oder wie Jonas Stefan es zusammenfasst:
„Efficio® macht Energieverbräuche endlich vergleichbar – und damit auch beherrschbar.“

FAQ – Energiemanagementsysteme in der Praxis
1. Wie setzen Unternehmen ein Energiemanagementsystem konkret im Alltag ein?
Unternehmen nutzen Energiemanagementsysteme, um Energiedaten aus verschiedenen Standorten, Anlagen und Energieträgern zentral zusammenzuführen und auszuwerten. Über Dashboards, Lastganganalysen sowie Tages-, Monats- und Jahresauswertungen lassen sich Energieverbräuche transparent darstellen. Besonders wichtig ist dabei der Vergleich von Standorten oder baugleichen Anlagen, um Unterschiede im Energieverbrauch sichtbar zu machen und gezielte Optimierungsmaßnahmen abzuleiten.
2. Welche Probleme lösen Energiemanagementsysteme in Unternehmen?
In vielen Unternehmen werden Energiedaten zunächst in unterschiedlichen Systemen erfasst, etwa in Excel-Listen, einzelnen Zählerportalen oder getrennt nach Energieträgern. Dadurch fehlt eine konsistente Datengrundlage für Auswertungen und Vergleiche. Energiemanagementsysteme bündeln diese Daten zentral und schaffen Transparenz über Energieflüsse, Standorte und Anlagen.
3. Welche Vorteile hat ein Energiemanagementsystem für Energiemanager?
Energiemanager erhalten eine zentrale Plattform, auf der Energieverbräuche standortübergreifend ausgewertet werden können. Funktionen wie Dashboards, Anlagenvergleiche und Lastganganalysen helfen dabei, ineffiziente Betriebszustände zu erkennen, Energiekennzahlen zu entwickeln und Optimierungsmaßnahmen gezielt umzusetzen.
4. Wie unterstützt ein Energiemanagementsystem bei ISO 50001 und Energieaudits?
Energiemanagementsysteme stellen Energiedaten strukturiert und nachvollziehbar bereit. Dadurch lassen sich Energiekennzahlen, Verbrauchsberichte und Auswertungen für ISO-50001-Audits oder Energieaudits schnell erstellen. Gleichzeitig reduziert sich der Aufwand für die Vorbereitung von Zertifizierungen deutlich.
5. Welche konkreten Einsparpotenziale lassen sich durch Energiemonitoring erkennen?
Durch den Vergleich ähnlicher Anlagen können Unternehmen ineffiziente Einstellungen oder unnötige Grundlasten identifizieren. In einem Praxisbeispiel zeigte der Vergleich zweier Betonmischanlagen deutlich unterschiedliche Energieverbräuche außerhalb der Produktionszeiten. Nach Anpassung der Anlagenparameter konnte der Energieverbrauch deutlich reduziert werden.
Veröffentlicht: 16.03.2026
Fotos: BERGER HOLDING SE

