Der wesentliche Unterschied zwischen Lademanagement und einer Wallbox ohne Steuerung liegt in der Kontrolle über Ladeleistung und Netzbelastung. Eine ungesteuerte Wallbox lädt mit voller Leistung, sobald ein Fahrzeug angeschlossen wird. Ein intelligentes Lademanagement koordiniert mehrere Ladepunkte dynamisch, verhindert Lastspitzen und integriert das Laden in das betriebliche Energiesystem. Für Unternehmen mit mehr als einer Handvoll Ladepunkte ist dieser Unterschied wirtschaftlich und technisch entscheidend.
Was passiert ohne Lademanagement im Unternehmensnetz?
Ohne Lademanagement lädt jede Wallbox unabhängig mit ihrer maximalen Anschlussleistung, sobald ein Elektrofahrzeug verbunden wird. Treffen mehrere Ladevorgänge zeitlich zusammen, etwa morgens beim Schichtbeginn, summiert sich die Leistungsaufnahme unkontrolliert. Das kann den Netzanschluss überlasten, Schutzschalter auslösen und vor allem teure Leistungsspitzen im Netzentgelt erzeugen.
Netzentgelte in Deutschland setzen sich teilweise aus einem Leistungsanteil zusammen, der sich am höchsten gemessenen Viertelstundenmittelwert des Monats orientiert. Selbst ein kurzer, unkontrollierter Ladeansturm kann diesen Spitzenwert dauerhaft erhöhen und die monatlichen Energiekosten spürbar steigern. Hinzu kommt das Risiko, dass der bestehende Netzanschluss schlicht nicht für die gleichzeitige Vollladung mehrerer Fahrzeuge ausgelegt ist, was kostspielige Netzanschlusserhöhungen nach sich ziehen kann.
Für Unternehmen mit zwei oder drei Ladepunkten mag dieses Risiko noch überschaubar sein. Sobald jedoch fünf, zehn oder mehr Fahrzeuge regelmäßig geladen werden, wird die fehlende Steuerung zum ernsthaften betriebswirtschaftlichen Problem.
Wie funktioniert ein intelligentes Lademanagement technisch?
Intelligentes Lademanagement erfasst in Echtzeit die aktuelle Netzlast des Gebäudes und verteilt die verfügbare Ladeleistung dynamisch auf alle angeschlossenen Fahrzeuge. Statt jeder Wallbox ihre Maximalleistung zuzuweisen, regelt das System jeden Ladepunkt individuell, sodass die Gesamtlast innerhalb eines definierten Grenzwerts bleibt.
Technisch basiert modernes Lademanagement auf drei Kernfunktionen:
- Dynamische Lastverteilung: Die verfügbare Kapazität wird laufend zwischen aktiven Ladepunkten aufgeteilt. Wenn ein Fahrzeug abgesteckt wird, steht die freigewordene Leistung sofort den verbleibenden Fahrzeugen zur Verfügung.
- Priorisierung: Bestimmte Fahrzeuge oder Nutzergruppen können bevorzugt behandelt werden, etwa Dienstfahrzeuge mit dringendem Bedarf gegenüber privaten Mitarbeiterfahrzeugen.
- Kommunikationsprotokoll: Die Wallboxen kommunizieren über standardisierte Protokolle wie OCPP mit einer zentralen Steuereinheit oder einem Backend. Das ermöglicht auch Fernwartung, Abrechnung und Auswertung.
Fortgeschrittene Systeme binden zusätzlich Echtzeitdaten aus dem übergeordneten Energiemanagementsystem ein. So lässt sich das Laden gezielt in Phasen mit niedrigem Gesamtverbrauch verschieben oder mit lokal erzeugtem Solarstrom kombinieren.
Welche Kostenunterschiede entstehen zwischen beiden Ansätzen?
Die Anschaffungskosten für gesteuerte Ladelösungen liegen höher als für einfache Wallboxen. Mittel- bis langfristig überwiegen jedoch die Einsparungen durch vermiedene Lastspitzen, optimierte Netzentgelte und einen gegebenenfalls kleineren Netzanschluss. Die Investition in ein intelligentes Lademanagement amortisiert sich umso schneller, je mehr Ladepunkte betrieben werden.
Konkret entstehen ohne Lademanagement Mehrkosten auf verschiedenen Ebenen:
- Netzentgelte: Hohe Leistungsspitzen erhöhen den leistungsabhängigen Anteil der Netzentgelte dauerhaft.
- Netzanschluss: Reicht die bestehende Anschlusskapazität nicht aus, fallen Kosten für Erweiterung oder Verstärkung an, die oft im fünf- bis sechsstelligen Bereich liegen.
- Abrechnungsaufwand: Ohne zentrale Steuerung ist die verbrauchsgenaue Abrechnung für Mitarbeiter oder Flottenfahrzeuge kaum automatisierbar, was manuellen Aufwand erzeugt.
Hinzu kommen mögliche Förderungen für intelligente Ladeinfrastruktur, die gesteuerte Systeme bevorzugen. Aktuelle Förderbedingungen und Höhen sollten direkt bei den zuständigen Stellen geprüft werden, da sie sich regelmäßig ändern.
Wann reicht eine einfache Wallbox – und wann nicht mehr?
Eine einfache Wallbox ohne Steuerung reicht aus, wenn maximal ein bis zwei Fahrzeuge gelegentlich geladen werden, der Netzanschluss ausreichend dimensioniert ist und keine Anforderungen an Abrechnung oder Priorisierung bestehen. Sobald mehrere Fahrzeuge regelmäßig gleichzeitig laden, ist eine gesteuerte Lösung notwendig.
Als Faustregel gilt: Ab drei bis vier Ladepunkten lohnt sich die Prüfung eines Lademanagementsystems in jedem Fall. Spätestens wenn folgende Faktoren zutreffen, ist eine ungesteuerte Lösung nicht mehr angemessen:
- Regelmäßiger gleichzeitiger Ladestart mehrerer Fahrzeuge, etwa bei Schichtbeginn
- Betrieb einer gemischten Flotte aus Dienst- und Mitarbeiterfahrzeugen mit unterschiedlichen Ladeberechtigungen
- Wunsch oder Pflicht zur verbrauchsgenauen Abrechnung
- Begrenzter Netzanschluss, der eine Erweiterung unwirtschaftlich macht
- Einbindung von Photovoltaik oder anderen lokalen Erzeugungsanlagen
Welche gesetzlichen Anforderungen gelten für gewerbliche Ladeinfrastruktur?
Für gewerbliche Ladeinfrastruktur in Deutschland gelten mehrere gesetzliche Vorgaben. Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) schreibt vor, dass Nichtwohngebäude mit mehr als zehn Stellplätzen beim Neubau oder bei größeren Renovierungen Leitungsinfrastruktur und teilweise Ladepunkte vorsehen müssen. Für die Abrechnung gegenüber Dritten sind eichrechtliche Anforderungen zu beachten.
Konkret bedeutet das für Unternehmen:
- GEIG-Pflichten: Neue Nichtwohngebäude mit mehr als zehn Stellplätzen müssen jeden Stellplatz mit Schutzrohren ausstatten; ab 20 Stellplätzen ist mindestens ein Ladepunkt Pflicht.
- Eichrecht: Wer Ladekosten gegenüber Mitarbeitern, Kunden oder Dritten abrechnet, benötigt eichrechtskonforme Messeinrichtungen. Ob eine konkrete Installation diese Anforderung erfüllt, muss im Einzelfall geprüft werden.
- Datenschutz und Zugangskontrolle: Systeme, die Nutzerdaten erfassen, unterliegen der DSGVO.
Zusätzlich kann das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) für größere Unternehmen relevant sein, wenn es um die Gesamtbetrachtung des Energieverbrauchs und die Pflicht zur Energieauditierung geht. Ob ein Unternehmen konkret betroffen ist, sollte rechtlich geprüft werden.
Wie lässt sich Lademanagement in bestehende Energiesysteme integrieren?
Lademanagement lässt sich über standardisierte Schnittstellen in bestehende Energiemanagementsysteme, Gebäudeleittechnik und Abrechnungssoftware integrieren. Die Voraussetzung ist, dass die eingesetzten Wallboxen offene Kommunikationsprotokolle wie OCPP unterstützen und das übergeordnete System entsprechende Schnittstellen bereitstellt.
In der Praxis bedeutet Integration vor allem drei Dinge: Erstens die messtechnische Einbindung, bei der Zählerdaten aus dem Gebäude in Echtzeit an das Lademanagementsystem übertragen werden, damit die Steuerung auf die tatsächliche Netzlast reagieren kann. Zweitens die Einbindung in das Lastmanagement des Unternehmens, sodass das Laden automatisch gedrosselt wird, wenn andere Großverbraucher im Betrieb anlaufen. Drittens die Anbindung an Abrechnungs- oder HR-Systeme für die automatisierte Kostenverrechnung.
Bestehende Energiemanagementsoftware kann dabei als zentrale Datendrehscheibe dienen. Wer bereits eine Plattform zur Verbrauchserfassung und Analyse einsetzt, kann Lademanagementdaten nahtlos einbinden und so einen vollständigen Überblick über alle Energieströme im Unternehmen gewinnen.
Wie Berg GmbH Unternehmen beim Lademanagement unterstützt
Berg GmbH bietet mit Berg.Charge eine intelligente Lademanagementlösung, die speziell für die Anforderungen von Industrie, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen entwickelt wurde. Die Lösung adressiert genau die Herausforderungen, die ungesteuerte Wallboxen verursachen:
- Dynamische Lastverteilung, die Netzüberlastungen und teure Leistungsspitzen zuverlässig verhindert
- Nahtlose Integration in das Lastmanagementsystem Optimo und die Energiemanagementplattform Efficio® für eine ganzheitliche Sicht auf alle Energieverbräuche
- Eichrechtskonforme Abrechnung für Mitarbeiter- und Flottenfahrzeuge
- Skalierbarkeit von wenigen bis zu mehreren hundert Ladepunkten ohne Änderung der Grundarchitektur
- Offene Protokolle für die Einbindung in bestehende Gebäude- und Energiesysteme
Ob Neubau oder Nachrüstung, ob kleine Flotte oder großes Industriegelände: Berg analysiert gemeinsam mit Ihnen die spezifische Situation und entwickelt eine passende Ladelösung. Jetzt Kontakt aufnehmen und einen unverbindlichen Beratungstermin vereinbaren.
Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt oder unterstützt und anschließend von unserer Redaktion geprüft.
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