Ein Unternehmen braucht Lastmanagement, wenn seine Energieabrechnung regelmäßig hohe Leistungspreisanteile ausweist, wenn unkontrollierte Verbrauchsspitzen den Netzentgeltanteil in die Höhe treiben oder wenn betriebliche Abläufe zu wiederkehrenden Lastspitzen führen, die sich mit einfachen Mitteln nicht mehr beherrschen lassen. Betroffen sind vor allem Sondervertragskunden, also Unternehmen mit einem Strombezug oberhalb der Niederspannungsgrenze, bei denen der Netzbetreiber die Jahreshöchstleistung als Abrechnungsgrundlage heranzieht. Die folgenden Fragen helfen dabei, die wichtigsten Erkennungsmerkmale systematisch zu prüfen.
Welche Kostensignale in der Energieabrechnung auf Handlungsbedarf hinweisen?
Das deutlichste Kostensignal ist ein hoher Leistungspreisanteil in der Stromrechnung. Sondervertragskunden zahlen Netzentgelte nicht nur für die bezogene Energiemenge, sondern auch für die höchste gemessene Viertelstundenleistung des Jahres. Wenn dieser Leistungspreisanteil einen erheblichen Teil der Gesamtrechnung ausmacht, besteht konkreter Handlungsbedarf.
Netzentgelte setzen sich in der Regel aus einem Arbeitspreis je verbrauchter Kilowattstunde und einem Leistungspreis je gemessener Kilowatt Jahreshöchstleistung zusammen. Entscheidend ist dabei: Bereits eine einzige Viertelstunde mit ungewöhnlich hohem Verbrauch kann den Leistungspreis für das gesamte Jahr festlegen. Wer beispielsweise einen Leistungspreis von 140 Euro pro Kilowatt hat und seine Jahreshöchstleistung von 1.400 auf 1.000 Kilowatt senkt, reduziert allein durch diese 400 Kilowatt Differenz die jährliche Belastung spürbar.
Weitere Kostensignale, die auf Lastmanagement-Bedarf hinweisen:
- Der Leistungspreisanteil übersteigt einen signifikanten Teil der gesamten Netzentgeltzahlung
- Die Jahreshöchstleistung liegt deutlich über dem typischen Lastdurchschnitt
- Lastgangauswertungen zeigen einzelne, isolierte Spitzenwerte, die das übliche Verbrauchsniveau weit übersteigen
- Die Differenz zwischen mittlerer Leistung und Spitzenleistung ist groß, was auf unkontrollierte Gleichzeitigkeitseffekte hindeutet
Auch die Gasabrechnung kann entsprechende Signale liefern. Für Gassondervertragskunden gelten 60-Minuten-Perioden als Messgrundlage. Wer hier ebenfalls hohe Leistungspreisanteile beobachtet, sollte prüfen, ob ein Lastmanagementsystem für Strom und Gas sinnvoll ist.
Welche betrieblichen Muster auf unkontrollierte Lastspitzen hindeuten?
Unkontrollierte Lastspitzen entstehen typischerweise dann, wenn mehrere energieintensive Verbraucher gleichzeitig anlaufen, ohne dass dies koordiniert wird. Betriebliche Muster wie Schichtbeginn mit synchronem Maschinenhochlauf, paralleles Anfahren von Öfen, Kompressoren oder Kälteanlagen sowie fehlende Steuerung bei der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge sind klassische Auslöser.
Folgende betriebliche Situationen sind besonders häufige Indikatoren:
- Synchroner Schichtstart: Wenn zu Schichtbeginn viele Maschinen gleichzeitig eingeschaltet werden, entsteht innerhalb einer Viertelstunde eine Leistungsspitze, die das gesamte Jahresmaximum bestimmen kann.
- Produktionspausen mit anschließendem Wiederanlauf: Nach Mittagspausen oder Wartungsfenstern starten oft mehrere Anlagen gleichzeitig neu.
- Saisonale Spitzen: Kälteanlagen, Heizungen oder Lüftungssysteme, die bei Extremtemperaturen gleichzeitig auf Volllast laufen, erzeugen unkontrollierte Spitzen.
- Fehlende Priorisierung bei der Ladeinfrastruktur: Mehrere gleichzeitig ladende Elektrofahrzeuge können die Leistungsgrenzen eines Unternehmens schnell überschreiten.
- Industrielle Großverbraucher ohne Regelung: In Gießereien, Stahlwerken und ähnlichen Betrieben können große Öfen oder Schmelzanlagen innerhalb einer Messperiode extreme Leistungsanforderungen erzeugen.
Ein wichtiger Hinweis: Nicht jede Lastspitze lässt sich durch einfaches Abschalten von Verbrauchern lösen. Laufende Prozesse, etwa in der Tiefkühlproduktion oder bei thermischen Fertigungsverfahren, dürfen nicht unterbrochen werden. Wirksames Lastmanagement bedeutet daher nicht nur das Abschalten von Verbrauchern, sondern auch das gezielte Sperren von Zuschaltungen und die analoge Regelung von Großaggregaten, damit kritische Leistungsgrenzen gar nicht erst überschritten werden.
Ab welcher Unternehmensgröße oder Verbrauchsmenge lohnt sich Lastmanagement?
Lastmanagement lohnt sich grundsätzlich für alle Unternehmen, die als Sondervertragskunden nach viertelstündlichen Leistungswerten abgerechnet werden. Das betrifft in der Praxis Betriebe mit einem Jahresstromverbrauch ab etwa 100.000 Kilowattstunden aufwärts, wobei die Wirtschaftlichkeit stark vom jeweiligen Leistungspreis und der Höhe der Lastspitzen abhängt.
Eine pauschale Mindestgröße gibt es nicht, weil die Rentabilität von mehreren Faktoren gleichzeitig abhängt:
- Höhe des Leistungspreises: Je höher der vertraglich vereinbarte Leistungspreis pro Kilowatt, desto größer das Einsparpotenzial durch Spitzenreduzierung.
- Differenz zwischen Spitzen- und Durchschnittsleistung: Unternehmen mit stark schwankenden Lastprofilen profitieren mehr als solche mit gleichmäßigem Verbrauch.
- Anzahl steuerbarer Verbraucher: Je mehr Anlagen sich zeitlich verschieben oder kurzzeitig abregeln lassen, desto effektiver arbeitet ein Lastmanagementsystem.
- Investitionskosten im Verhältnis zum Einsparpotenzial: Moderne Systeme sind skalierbar und können schrittweise erweitert werden, was den Einstieg auch für mittelständische Unternehmen wirtschaftlich macht.
Ergänzend ist zu beachten, dass Lastmanagementsysteme über das BAFA-Förderprogramm (Modul 3) grundsätzlich förderfähig sein können. Interessierte Unternehmen sollten sich über aktuelle Konditionen und Antragsvoraussetzungen direkt beim BAFA oder bei einem erfahrenen Energiedienstleister informieren, da sich Förderbedingungen ändern können.
Was unterscheidet manuelles Lastmanagement von automatisierten Systemen?
Manuelles Lastmanagement bedeutet, dass Betriebspersonal Verbraucher auf Basis eigener Einschätzung oder nach Alarmierung manuell abschaltet oder drosselt. Automatisierte Lastmanagementsysteme hingegen überwachen den Leistungsbezug in Echtzeit, berechnen kontinuierlich eine Trendprognose für die laufende Messperiode und greifen automatisch ein, bevor eine Leistungsgrenze überschritten wird.
Warum manuelles Eingreifen zu spät kommt
Der entscheidende Nachteil manueller Ansätze liegt im Zeitfaktor. Netzbetreiber messen in 15-Minuten-Perioden. Innerhalb dieser Viertelstunde muss ein Lastmanagementsystem erkennen, dass der Leistungsbezug auf eine Überschreitung zusteuert, und rechtzeitig reagieren. Manuelles Personal kann diese Trendberechnung weder schnell genug durchführen noch zuverlässig rund um die Uhr sicherstellen. Wenn ein Alarm ausgelöst wird, ist die kritische Viertelstunde oft bereits zu weit fortgeschritten.
Was automatisierte Systeme leisten
Ein automatisiertes System wie Optimo misst parallel zum Netzbetreiber, indem es die energieproportionalen Impulse und den Viertelstundensynchronimpuls des Versorgers aufnimmt. Auf dieser Grundlage berechnet es fortlaufend, wie sich der Leistungsbezug bis zum Ende der aktuellen Messperiode entwickeln wird. Droht eine Überschreitung, werden Verbraucher nach vordefinierten Prioritäten gesteuert, also stufenweise abgeschaltet, gesperrt oder analog geregelt, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.
Weitere Unterschiede im Überblick:
- Reaktionszeit: Automatisierte Systeme reagieren in Sekunden, manuelles Eingreifen dauert Minuten.
- Verfügbarkeit: Automatisierung arbeitet 24 Stunden täglich, auch in Nachtschichten oder an Wochenenden.
- Prozessschutz: Automatisierte Systeme berücksichtigen Mindest-Ein- und Ausschaltzeiten sowie Prozesszustände, um laufende Produktionen nicht zu gefährden.
- Dokumentation: Alle Eingriffe werden protokolliert und sind nachvollziehbar, was für Audits und Berichte relevant ist.
Welche gesetzlichen Anforderungen machen Lastmanagement für Unternehmen relevant?
Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) verpflichtet Unternehmen ab bestimmten Verbrauchsschwellen zur systematischen Erfassung und Verbesserung ihrer Energieeffizienz. Lastmanagement ist dabei kein gesetzlich vorgeschriebenes Instrument, aber ein zentrales Mittel, um die geforderten Effizienzmaßnahmen nachweisbar umzusetzen und Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 mit konkreten technischen Maßnahmen zu unterlegen.
Konkret ergeben sich aus verschiedenen Regelwerken Anknüpfungspunkte für Lastmanagement:
- Energieeffizienzgesetz (EnEfG): Unternehmen mit hohem Energieverbrauch müssen Einsparpotenziale identifizieren und Maßnahmen umsetzen. Lastspitzenreduzierung ist eine der wirksamsten technischen Maßnahmen.
- ISO 50001: Das Energiemanagementsystem nach ISO 50001 fordert die kontinuierliche Überwachung wesentlicher Energieverbraucher sowie die Ableitung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen. Lastmanagement liefert sowohl die Messdaten als auch die technische Umsetzung.
- Netzentgeltverordnung (StromNEV): Die Berechnung von Netzentgelten nach Jahreshöchstleistung ist gesetzlich geregelt. Unternehmen, die ihre Leistungsspitzen aktiv senken, zahlen entsprechend niedrigere Netznutzungskosten.
- Klimaschutzziele und ESG-Berichtspflichten: Unternehmen, die über Scope-2-Emissionen berichten oder interne Klimaziele verfolgen, profitieren von der transparenten Dokumentation, die ein automatisiertes Lastmanagementsystem liefert.
Lastmanagement ist also nicht nur eine Kostensparmaßnahme, sondern zunehmend auch ein Compliance-Thema. Wer Energiemanagementsysteme betreibt oder plant, sollte die technische Laststeuerung als integralen Bestandteil der gesetzlichen Anforderungserfüllung verstehen.
So unterstützt Berg beim Lastmanagement
Die Berg GmbH bietet mit Optimo ein vollautomatisiertes Lastmanagementsystem, das speziell für die Anforderungen von Industrie und Gewerbe entwickelt wurde. Optimo überwacht den Leistungsbezug in Echtzeit, berechnet kontinuierlich Trendprognosen für die laufende Messperiode und steuert Verbraucher automatisch nach individuell konfigurierten Regeln, bevor Leistungsgrenzen überschritten werden. Die Lösung ist skalierbar und lässt sich sowohl in bestehende Automatisierungstechnik als auch in das Energiemanagementsystem Efficio® integrieren, sodass Lastmanagement und Energiemonitoring auf einer einheitlichen Oberfläche verfügbar sind.
Konkret unterstützt Berg dabei:
- Professionelle Lastganganalyse und Bewertung des individuellen Einsparpotenzials
- Tarif- und Netzentgeltanalyse zur Identifikation der kostenwirksamsten Stellhebel
- Technische Systemauslegung, Lieferung und Inbetriebnahme durch erfahrenes Fachpersonal
- Beratung zu Fördermöglichkeiten, unter anderem über das BAFA-Programm
- Unterstützung bei der Erstellung eines Mess- und Regelkonzepts
- Laufender technischer Support, Schulungen und regelmäßige Software-Updates
Unternehmen, die prüfen möchten, ob sich ein automatisiertes Lastmanagementsystem für ihren Betrieb lohnt, können direkt mit den Energieexperten der Berg GmbH sprechen. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und erfahren Sie, welche Einsparpotenziale in Ihrem Lastprofil stecken.
Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt oder unterstützt und anschließend von unserer Redaktion geprüft.
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