Für Industrieunternehmen und Gewerbebetriebe gehören Netzentgelte zu den bedeutendsten, aber oft am wenigsten verstandenen Bestandteilen der Stromrechnung. Während der eigentliche Energiepreis vielen Entscheidungsträgern bekannt ist, bleibt die Struktur der Netzentgelte häufig undurchsichtig. Dabei bieten genau hier gezielte Maßnahmen erhebliches Potenzial, die Stromkosten für Unternehmen dauerhaft zu senken. Dieser Artikel erklärt, wie Netzentgelte aufgebaut sind, wie sie berechnet werden und welche Stellschrauben Unternehmen nutzen können, um die Belastung zu reduzieren.
Bestandteile der Netzentgelte im Überblick
Netzentgelte sind das Entgelt, das Netzbetreiber für die Nutzung der Strominfrastruktur erheben. Sie finanzieren den Betrieb, die Wartung und den Ausbau von Übertragungs- und Verteilnetzen. Für Industriekunden setzen sich die Netzentgelte in der Regel aus zwei zentralen Komponenten zusammen: dem Leistungspreis und dem Arbeitspreis.
Der Leistungspreis wird auf Basis der höchsten gemessenen Leistungsspitze innerhalb eines Abrechnungszeitraums berechnet, üblicherweise angegeben in Euro pro Kilowatt (€/kW). Der Arbeitspreis hingegen richtet sich nach der tatsächlich verbrauchten Energiemenge in Kilowattstunden (kWh). Hinzu kommen in der Praxis weitere Umlagen und Abgaben, die zwar Teil der Gesamtabrechnung sind, aber streng genommen nicht zu den eigentlichen Netzentgelten zählen, wie etwa die Konzessionsabgabe oder netzbezogene Messstellenentgelte.
Für Unternehmen mit einer registrierenden Leistungsmessung (RLM) ist insbesondere der Leistungspreis relevant. Dieser macht bei energieintensiven Betrieben häufig einen erheblichen Anteil der Gesamtnetzkosten aus und bietet entsprechend großes Optimierungspotenzial.
So werden Netzentgelte konkret berechnet
Die Berechnung der Netzentgelte folgt einem klaren Schema, das auf der Messtechnik am Netzübergabepunkt basiert. Entscheidend ist dabei das sogenannte Viertelstundenmessverfahren: Der Netzbetreiber misst 96 Mal täglich den durchschnittlichen Leistungsbezug in 15-Minuten-Intervallen. Der höchste dieser Messwerte innerhalb des Abrechnungszeitraums bestimmt den sogenannten Jahresleistungspreis.
Konkret bedeutet das: Ein Unternehmen, das in einer einzigen Viertelstunde des gesamten Jahres einen Spitzenbezug von beispielsweise 500 kW aufweist, zahlt den Leistungspreis auf Basis dieser 500 kW, selbst wenn dieser Wert nur einmal erreicht wurde. Das zeigt, wie unverhältnismäßig stark eine einzige Lastspitze die Netzentgelte beeinflussen kann.
Jahresbenutzungsdauer als weiterer Faktor
Viele Netzbetreiber staffeln den Leistungspreis zusätzlich nach der sogenannten Jahresbenutzungsdauer. Diese gibt an, wie viele Stunden im Jahr ein Unternehmen seine maximale Leistung theoretisch nutzen würde, um den gemessenen Jahresverbrauch zu erreichen. Betriebe mit hoher Benutzungsdauer profitieren in der Regel von günstigeren Leistungspreisen, da sie das Netz gleichmäßiger auslasten. Für Unternehmen mit unregelmäßigem Lastprofil kann dieser Effekt hingegen kostentreibend wirken.
Einflussfaktoren auf die Höhe der Netzentgelte
Die tatsächliche Höhe der Netzentgelte hängt von mehreren Faktoren ab, die teils durch den Netzbetreiber vorgegeben, teils durch das eigene Verbrauchsverhalten beeinflusst werden.
- Netzebene: Je höher die Spannungsebene, an der ein Unternehmen angeschlossen ist (z.B. Mittelspannung statt Niederspannung), desto niedriger fallen die Netzentgelte in der Regel aus, da weniger Netzinfrastruktur genutzt wird.
- Netzgebiet: Netzentgelte werden von jedem Netzbetreiber individuell festgelegt und von der Bundesnetzagentur genehmigt. Sie variieren regional erheblich.
- Lastprofil: Unternehmen mit gleichmäßigem Verbrauch zahlen im Verhältnis weniger als solche mit stark schwankenden Lastspitzen.
- Sonderregelungen: Energieintensive Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen von reduzierten Netzentgelten profitieren, etwa über Paragraf 19 der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV).
Gerade das Lastprofil ist ein Faktor, den Unternehmen aktiv gestalten können, ohne auf den Netzbetreiber oder gesetzliche Rahmenbedingungen angewiesen zu sein.
Lastspitzen reduzieren und Netzentgelte senken
Da der Leistungspreis an der höchsten gemessenen Viertelstundenleistung hängt, ist die gezielte Reduzierung von Lastspitzen der wirksamste Hebel zur Optimierung der Netzentgelte in der Industrie. Dieses Prinzip bildet die Grundlage des industriellen Lastmanagements.
Ein automatisiertes Lastmanagementsystem überwacht den Leistungsbezug in Echtzeit und gleicht ihn kontinuierlich mit einem vordefinierten Sollwert ab. Innerhalb jeder Viertelstunde wird anhand des sogenannten Trendrechnungsverfahrens berechnet, welche Leistung am Ende des Intervalls zu erwarten ist. Droht der Sollwert überschritten zu werden, werden steuerbare Verbraucher rechtzeitig gedrosselt oder vorübergehend gesperrt, bevor die Spitze tatsächlich entsteht. Dabei geht es weniger darum, Anlagen abzuschalten, als vielmehr darum, ungünstige Zuschaltmomente zu verhindern.
Praktische Maßnahmen zur Lastoptimierung
Neben automatisierten Systemen gibt es organisatorische Maßnahmen, die Lastspitzen wirksam reduzieren können:
- Zeitliche Verlagerung energieintensiver Prozesse in lastärmere Perioden
- Staffelung von Anfahrprozessen, um gleichzeitige Einschaltvorgänge zu vermeiden
- Regelmäßige Analyse des Lastprofils auf Basis von Viertelstundenwerten
- Integration von Energiespeichern zur Glättung von Verbrauchsspitzen
Die Transparenz über das eigene Lastprofil ist dabei die Voraussetzung für jede Optimierungsmaßnahme. Ohne eine lückenlose Erfassung und Auswertung der Verbrauchsdaten lassen sich Einsparpotenziale weder identifizieren noch systematisch erschließen.
Netzentgelte im Kontext gesetzlicher Anforderungen
Netzentgelte sind nicht nur ein betriebswirtschaftliches Thema, sondern zunehmend auch ein regulatorisches. Mit dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG), das seit 2023 schrittweise in Kraft tritt, sind Unternehmen ab bestimmten Verbrauchsschwellen verpflichtet, ihren Energieverbrauch systematisch zu erfassen, zu analysieren und Einsparpotenziale umzusetzen. Wer diese Anforderungen ernst nimmt, schafft gleichzeitig die Grundlage für eine fundierte Netzentgeltoptimierung.
Für Unternehmen, die eine Zertifizierung nach ISO 50001 anstreben oder bereits umsetzen, ist die detaillierte Verbrauchserfassung ohnehin Pflicht. Die dabei entstehenden Datengrundlagen lassen sich direkt nutzen, um Lastprofile zu analysieren, Spitzenverbräuche zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Senkung der Netzentgelte abzuleiten. Energiemanagement und Netzentgeltoptimierung greifen hier unmittelbar ineinander.
Auch das Thema Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge gewinnt in diesem Zusammenhang an Bedeutung: Unkontrolliertes Laden kann Lastspitzen erheblich verstärken und damit die Netzentgelte spürbar erhöhen. Ein intelligentes Lademanagement sorgt dafür, dass Ladevorgänge netzverträglich gesteuert werden und keine neuen Kostentreiber entstehen.
So unterstützt die Berg GmbH bei der Netzentgeltoptimierung
Die Berg GmbH bietet Industrieunternehmen und Gewerbebetrieben konkrete Lösungen, um Netzentgelte systematisch zu analysieren und dauerhaft zu senken. Das Portfolio deckt dabei alle relevanten Handlungsfelder ab:
- Efficio®: Die webbasierte Energiemanagementsoftware erfasst Verbrauchsdaten lückenlos im Viertelstundenraster, visualisiert Lastprofile und macht Kostentreiber transparent.
- Optimo: Das automatisierte Lastmanagementsystem greift in Echtzeit in den Leistungsbezug ein, verhindert Lastspitzen zuverlässig und optimiert damit direkt den Leistungspreisanteil der Netzentgelte.
- Berg.Charge: Die intelligente Lademanagementlösung integriert Elektrofahrzeug-Ladevorgänge netzverträglich in das betriebliche Lastmanagement und verhindert, dass die wachsende Ladeinfrastruktur neue Leistungsspitzen erzeugt.
- Unterstützung bei Energieaudits sowie bei der Einführung von Managementsystemen nach ISO 50001 und ISO 14001.
Mit über 40 Jahren Erfahrung im industriellen Energiemanagement begleitet die Berg GmbH Unternehmen von der ersten Analyse bis zur dauerhaften Optimierung. Wer die eigenen Netzentgelte besser verstehen und gezielt senken möchte, findet beim Team der Berg GmbH einen kompetenten Ansprechpartner. Jetzt Kontakt aufnehmen und gemeinsam Einsparpotenziale identifizieren.
Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt oder unterstützt und anschließend von unserer Redaktion geprüft.
Related Articles
- Was kostet Strom für Industriebetriebe in Deutschland?
- Wie kann Energiemanagement helfen, Fördermittel zu beantragen?
- Wie lange dauert die Implementierung eines Energiemanagementsystems in der Praxis?
- Welche KPIs sind im Energiemanagement besonders aussagekräftig?
- Was sind die Vorteile eines zertifizierten Energiemanagementsystems?